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Späte Liebe – doppeltes Glück

Die kleine Pinscher-Mischlingsdame Ema musste acht Jahre alt werden und fünf Jahre im kroatischen Asyl Spas verbringen, bevor sie von Katharina entdeckt wurde. Eine späte Liebe auf den ersten Blick auf beiden Seiten. Als Ema noch etwas verschüchtert aus der Transportbox krabbelte, wusste sie offenbar intuitiv und sofort, wer jetzt „ihr Mensch“ ist. Katharina wusste es schon lange vorher.


Du hast Ema bei Lesika Hundehilfe gesehen und wusstest, dass sie der richtige Hund für Dich ist. Wie das?

Ich habe mir im Vorfeld Gedanken gemacht zu Hündin oder Rüde. Nach zwei Rüden sollte es ein Mädchen sein. Außerdem, dass ich meine neue Begleiterin tragen können muss, falls gesundheitliche Probleme auftreten sollten. Dann wollte ich bewusst einer älteren Hundedame ein Zuhause geben und ich mag Mischlinge, weil sie mir robuster vorkommen. Ich habe auf der Homepage immer wieder die Geschichte von ihr gelesen und sie berührte mein Herz sofort.

Welche Gedanken oder Vorstellungen hast Du Dir im Vorfeld zu Ema oder generell zu einem schon etwas älteren Hund gemacht?

Ich habe mir keine Fragen gestellt zum älteren Hund. Ich habe mir Gedanken gemacht, wie bekomme ich diese Hündin und wie kann ich ihr helfen, um ihr den Traumplatz zu schenken, den sie oder jeder Hund verdient. Ich habe mir Gedanken gemacht, wie ich Urlaub von der Arbeit bekomme und wie wir es zuhause koordinieren, damit ich die Anfangszeit mit ihr verbringen kann. Letztlich habe ich mir viele Gedanken dazu gemacht, wie wohl das Gassigehen mit so einem "Angsthund" verläuft. Meine Vorstellung war, dass Ema viel Zeit, Geduld und Herz braucht. Außerdem wollte ich ihr einen Rückzugsort schaffen, damit sie sicherer wird, also kaufte ich ein Zelt, wobei sie da bisher nicht hineingegangen ist.


Wie bist Du auf den „älteren“ Hund gekommen?

Viele Menschen wollen einen Welpen. Mein Gedankengang ist eher so, dass auch die älteren Hunde einmal Welpen waren, die keiner wollte. Darum habe ich für mich entschlossen, dass nur Hunde aus dem Tierheim in Frage kommen und bin beim Alter nicht so festgelegt.

Was mich immer sehr traurig und auch wütend macht: wenn Hunde ein Zuhause hatten im Welpenalter und im Alter, wenn sie krank werden und besonders ihren Menschen brauchen, ausgesetzt oder ins Tierheim gebracht werden etc. Es wird dann vergessen oder verdrängt, dass es Lebewesen mit Gefühlen und Bedürfnissen sind. Deswegen will ich diesen Hunden auch zeigen: Es gibt Menschen, die sie so lieben wie sie sind.

Ema ist erst eine sehr kurze Zeit bei Euch zuhause. Welche Erlebnisse haben Dich bisher überrascht oder verwundert?

Was mich überraschte: dass Ema sich nicht versteckt hat wie vermutet; dass sie schon nach wenigen Tagen so gut wie stubenrein ist; dass sie ziemlich schnell auf ihren Namen reagiert hat; dass Fressen und Trinken kein Problem waren; dass sie schon am ersten Tag Treppen hoch und runter lief; dass sie Streicheln einfordert; dass sie uns schon so schnell vertraut hat; dass ich sie auf den Arm nehmen konnte. Sie bekam von uns zwischen zwei Couches ein Versteck, um dort zu schlafen. Ema kam aber in der Nacht häufiger zu uns, schnupperte an meinem Kopf und ging wieder. Was mich verwunderte: dass sie plötzlich die Treppen nur noch hochlief, aber nicht runter, wenn Gassi ansteht; dass sie ihr Revier schon verteidigt mit Bellen; dass sie während der Streicheleinheiten schreckhaft ist und zusammenzuckt und dass sie mich durch die ganze Wohnung begleitet. Wie bist Du Ema am Anfang begegnet und wie war ihr Verhalten. Kannst Du das beschreiben?

Wir hatten Ema am 10.4.21 übernommen. Ema hatte solche Angst, dass sie zunächst in einer Box getragen werden musste. Auch zuhause wollte sie erst nicht heraus. Ich habe eine gewisse Zeit verstreichen lassen. Essen und Trinken war vorbereitet, Ema kam immer noch nicht raus. Dann habe ich ihr das Nassfutter hingehalten und siehe da, Ema kam raus, aß und trank sofort und ging danach sofort in die Box zurück. Aber es dauerte nicht lange und die Neugierde war größer und sie schaute sich die Wohnung an. Ich bin vor Ema immer wieder in die Knie, habe sie an meiner Hand schnuppern lassen, bis ich sie streicheln durfte. Manchmal wich sie nach hinten aus.


Du hattest bereits einige Hunde. Waren das alles ältere Hunde?

Meine erste Hündin Flora, ein Dackel-Pudel-Mix war 11 Monate alt und wurde böse misshandelt, sie wurde 17 Jahre. Popeye, ein Schnauzer-Mischling, war 12 Jahre alt und aus einem Tierheim in Spanien, er wurde 18 Jahre alt. Bobby, ein französischer Jagdhund-Mix, war 7 Jahre alt und aus einem Tierheim in Frankreich und wurde 12 Jahre Die meisten Menschen möchten keinen älteren Hund adoptieren, weil sie ihn möglichst lange bei sich haben wollen. Wie ist das bei Dir?

Wenn man sich für einen älteren Hund entscheidet, ist vielleicht die gemeinsame Zeit kürzer, aber auch mit einem Welpen oder jungen Hund kann die Zeit kurz werden aufgrund von Krankheit usw. Die schlimmen Sachen wie vor ein Auto laufen, will ich gar nicht laut sagen.

Was magst Du an älteren Hunden?

Meine Meinung ist, dass ältere Hunde sehr dankbar sind und es Dir jeden Tag zeigen. Die Bindung ist viel stärker, auch wenn es merkwürdig klingt. Wenn das Vertrauen da ist, ist dieses grenzenlos. Wie sich das nach und nach entwickelt, finde ich einfach nur wunderbar und spannend. Emma sucht jetzt schon Kontakt und fordert mit ihrer Pfote Streicheleinheiten ein. Wie sich alles weiterentwickelt, werden wir noch zusammen sehen und erfahren. Miteinander lernen und sich darauf einlassen finde ich großartig. Jeder meiner Hunde war und ist ein Unikat und jeder hatte und hat unterschiedliche Ansprüche, Bedürfnisse und Zeit, was den Aufbau von Vertrauen angeht. Das bewegt mich sehr. Was ich bei Ema wünsche, ist aus einem „Angsthund“ eine selbstbewusste Hündin zu machen.

Vielen Dank und weiterhin viel Freude mit Ema!

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